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Fassadendämmung

Eindrucksvoll bebildert wurde das Thema Fassadendämmung vor kurzem in einer Dokumentation des NDR, unter dem Titel „Wahnsinn Wärmedämmung“.

Die Umwelt soll geschützt, Energie gespart werden. Das ist politisch gewollt. Schließlich verbrauchen Gebäude für Heizung, Warmwasser und Beleuchtung 40 % der gesamten Energie. Viele Hausbesitzer dämmen ihr Haus nachträglich mit einem Wärmedämmverbundsystem. Ein Dämmpaket aus Polystyrol birgt massive Risiken wie Feuergefahr, Schimmelbildung – und in ein paar Jahren ein Entsorgungsproblem. Das Polystyrol wird mit Brandhemmern aufgeschäumt, die hochgradig giftig sind. Letztlich wird mit einem nicht abbaubaren Material ähnlich wie Plastik gedämmt. In spätestens 30 bis 50 Jahren muss dieses Material als Sondermüll entsorgt werden. Die Innen- und Außenluft wird fast hermetisch abgeschottet. Die unangenehme Folge: Wasserdampf, der beim Atmen, Kochen und Duschen frei wird, bleibt im Haus, Schimmel kann sich bilden. Um das zu verhindern, werden mittlerweile teure Lüftungsanlagen eingebaut.

Ein weiteres Problem ist der Abfluss von Giftstoffen in Gewässer. Die Veränderung der Wanddicke führt zu bauphysikalischen Veränderungen. Die Oberfläche der Außenwand wird schneller kalt, da das Bauteil insgesamt weniger Wärme von innen nach außen durchlässt. Auf der Putzoberfläche der Außenwand bildet sich hierdurch häufiger Tauwasser. Hinzu kommt die Feuchtigkeitsbelastung durch Regen. Im feuchten Milieu können sich mikrobielle Belastungen besser ansetzen und verbreiten. Das Risiko eines Pilz- oder Algenbefalls auf der Putzoberfläche nimmt zu. Um das zu verhindern, erfolgt die Außenbeschichtung mit Farben oder Putz, denen Biozide beigemischt werden. Damit die Stoffe ihre Wirkung entfalten können, müssen sie wasserlöslich sein – und werden damit zum Angriffsziel des Regens. Die Pestizide werden innerhalb von fünf Jahren ausgewaschen.

Dass es auch natürlich geht belegt eine Analyse des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik in Holzkirchen: Durch die Verwendung des Fassadendämmsystems mit Holzweichfaserplatten  wird das Risiko eines mikrobiellen Befalls der Bauteiloberfläche wesentlich reduziert. Das Wärmedämmverbundsystem aus Holzfaserdämmplatten und Putzkomponenten ist aufgrund seiner bauphysikalischen Eigenschaften über 30 % weniger durch Tauwasser belastet. Dies hängt mit der spezifischen  Wärmespeicherkapazität der Holzfaser zusammen. Diese liegt bei 2100 J/kg und ist die höchste unter den Dämmstoffen. Die poröse Faserstruktur speichert die Tageswärme und gibt die aufgenommene Energie bei kühleren Temperaturen wieder ab. Der Taupunkt wird daher erst zeitverzögert oder gar nicht erreicht.

Blickwinkel

Das Umweltbundesamt (UBA) bestätigt: Ab Oktober 2016 gelten Polystyrol-Dämmstoffe mit HBCD als „gefährlicher Abfall“.

In Deutschland wird zur Wärmedämmung von Gebäuden am häufigsten das Material Polystyrol, bekannt z. B. unter dem Markennamen Styropor, eingesetzt. Damit diese, unter sehr hohem Energieeinsatz aus Erdöl hergestellten Dämmplatten nicht brennen, wurde bisher oft das giftige Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD) beigemischt. Dieses ist mittlerweile weltweit verboten, denn es steht unter dem Verdacht, die Fortpflanzung zu beeinträchtigen. Dennoch galt das Material bei der Entsorgung bisher als gemischter Bauabfall und nicht als Sondermüll. Obwohl Experten diese Änderung immer schon eingefordert haben.

Nun wurde die Abfallverzeichnisverordnung novelliert und die Grenzwerte in der EU-POP-Verordnung (persistenten organischen Schadstoffen, engl. Persistent Organic Pollutants = POP) verschärft. Danach gelten Dämmstoffabfälle, die HBCD enthalten, ab Oktober 2016 als gefährlicher Abfall, also Sondermüll. Dieser darf dann nur noch in dafür genehmigten Siedlungs- und Sondermüllverbrennungsanlagen behandelt werden.

Deshalb setzen die Hersteller von Polystyrol-Dämmstoffen jetzt das neue polymere Ersatz-Flammschutzmittel PolyFR ein. Das Ganze ist nicht nur hinsichtlich des Gesundheitsschutzes für die Menschen, sondern auch für uns und alle Hersteller von Naturdämmstoffen, für die Verarbeiter, Planer und den Fachhandel eine gute Nachricht. Sollte man meinen.

Aber die großen Probleme bei der Umsetzung dieser Gesetzesnovelle werden zukünftig an den Baustellen auftreten. Diese Meinung vertritt auch das UBA, da eine Reihe von Fragen zur zukünftigen Entsorgungspraxis noch nicht beantwortet ist:

Wer darf überhaupt eine mit HBCD belastete Styroporfassade zurückbauen und entsorgen?

Welche Siedlungs- und Sondermüllverbrennungsanlagen dürfen diesen Sondermüll annehmen?

Welche Kosten für die Entsorgung kommen auf den Bauherren zu?

Dies sind nur drei von vielen Fragen, die wir an verantwortliche Referatsmitarbeiter im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und im UBA gestellt haben. Die Bundesbehörden empfehlen dem Fachhandel und den Verarbeitern, sich mit diesen und ähnlichen Fragen an die Hersteller der Polystyrol-Dämmstoffe zu wenden. Derzeit wird zwischen dem Bund und den für die praktische Umsetzung der Verordnungsnovelle verantwortlichen Ländern sowie der Dämmstoffindustrie die Entsorgungspraxis diskutiert und ein Konzept erarbeitet.

Natürlich herrscht nun viel Unsicherheit bei allen Beteiligten. Ein Baustofffachhändler brachte es mit seiner Feststellung auf den Punkt:

„Wir können die Kundenfragen zur zukünftigen Entsorgung von Styropor-Dämmstoffen nicht beantworten. Das bisher hierin enthaltene Flammschutzmittel ist kritisch zu hinterfragen. Die Entsorgung wird empfindlich teuer und kein Bauherr oder Handwerker weiß, wie der Rückbau in der Praxis funktionieren soll. Zukünftig werden wir verstärkt Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen einlagern und unsere Kunden dahingehend beraten.“

Autor: Hersteller Thermohanf

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