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Moderne Holzfaserdämmstoffe haben die „Öko-Nische“ verlassen und sich zu vielseitig einsetzbaren Dämmsystemen entwickelt. Sie werden nach wie vor klassisch im Holzbau oder bei geneigten Dächern eingesetzt, eignet sich aber auch für Wärmedämm-Verbundsysteme, Innendämmungen oder das Flachdach. Systemaufbauten mit aufeinander abgestimmten Einzelprodukten vereinfachen die Planung und sorgen mit ihrem diffusionsoffenen Aufbau und dem hohen Sorptionsvermögen für bauphysikalisch sichere Konstruktionen.

Die Holzfaserdämmstoffe werden aus heimischen nachwachsenden Rohstoffen gewonnen und haben schon allein dadurch eine besondere Qualität der Nachhaltigkeit und des Ressourcenschutzes. Gleichzeitig sind sie aber weit mehr als ein ökologischer Nischen-Dämmstoff für umweltbewusste Bauherren oder zertifizierte Projekte. Denn mit ihren bauphysikalischen und technischen Eigenschaften können anwendungsspezifisch spezialisierte Holzfaserdämmstoffe für praktisch alle Dämmaufgaben an und in Gebäuden eingesetzt werden.

Vom Rohstoff zum Dämmsystem

Als Rohstoff für die Holzfaserdämmung dient Fichten- und Tannenholz aus dem Schwarzwald, das durch seine Faserqualität hohe Festigkeit mit effizienter Dämmleistung verbindet. Besonders nachhaltig arbeiten forstnahe Produktionsstandorte, die kurze Transportwege und die Verwendung von Hackschnitzeln aus Sägewerksresten gewährleisten. Der Rohstoff muss also nicht eigens angebaut und Fläche dafür vorgehalten werden. Stattdessen fungiert er als Kohlenstoff-Senke: Der Wald nimmt während seines Wachstums erhebliche Mengen Kohlenstoff auf, die im Dämmstoff gebunden bleiben und so langfristig zur Reduzierung des CO2-Gehaltes der Atmosphäre und damit zum Klimaschutz beitragen.

Puffer gegen Kälte, Hitze und Feuchte

Eine der hervorstechendsten Eigenschaften von Holzfasern als Dämmstoff ist ihre Fähigkeit zur Feuchtigkeitsregulierung. Das Material kann – bei ungeminderter Dämmleistung – bis zu 15 % seines Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen und auch wieder abgeben. Mit dieser Eigenschaft managen Holzfasern die Feuchte deutlich besser als andere Dämmstoffe: Eventuell in der Konstruktion anfallende Feuchtigkeit wird aufgenommen, in der Dämmschicht verteilt und später an die umgebende Luft abgegeben. Der diffusionsoffene Aufbau von Holzfaserdämmstoffen unterstützt das Feuchtemanagement, schützt vor Schimmelbildung und trägt maßgeblich zu einem gesunden Wohnklima bei.

Für den Schallschutz erweisen sich die vergleichsweise hohe Rohdichte und die offenporige Struktur von Holzfaserdämmplatten als Vorteil. Sowohl Luftschall als auch Körperschall, z. B. aus Gehgeräuschen oder Installationen, werden in hohem Maße absorbiert, sodass ein Einsatz selbst bei erhöhten Anforderungen, etwa bei Dachaufbauten in Flughafennähe, möglich ist. Holzfaserdämmprodukte werden daher gleichermaßen als Schall- und als Wärmedämmung eingesetzt.

Wohnen mit Weitblick

Holzfaserdämmstoffe  haben eine Wärme- und Feuchtespeicherfähigkeit. Die hohe Sorptionsfähigkeit und der diffusionsoffene Aufbau ermöglichen ein für den Menschen sehr angenehmes Wohlfühlklima und steigern damit die Wohnqualität erheblich. Durch die hohe spezifische Wärmespeicherkapazität von 2 100 J/kgK kann temporären Hitzespitzen entgegengewirkt werden, eine Weiterleitung in den Innenraum wird lange gepuffert (Phasenverschiebung) und erfolgt infolge der guten Dämmleistung nur abgeschwächt (Amplitudendämpfung). Ein weiterer Faktor für die Wohnbehaglichkeit und -gesundheit sind die baubiologischen Anforderungen im Hinblick auf Schadstoff- und Emissionsfreiheit.